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Blick in die aktuelle ISRAEL Ausgabe

Ausgrabungen im Schutt

Veröffentlicht am 09.11.2020

Freiwillige Helfer bei der Ausgrabung. Beim "Sifting Project" wird jede Hand gebraucht.

Zachi Dvira, wikipedia Freiwillige Helfer bei der Ausgrabung. Beim "Sifting Project" wird jede Hand gebraucht. Zachi Dvira, wikipedia 2002 findet ein Student im Kidrontal auf einem Schutthaufen zufällig Tonscherben. Es stellt sich heraus, dass diese vom Tempelberg stammen und zusammen mit zahlreichen anderen Funden 1999 bei illegalen Ausgrabungen für die Al-Aksa-Moschee ausgegraben und dann als „Schutt“ beseitigt wurden. Noch heute wird diese Erde von Freiwilligen aus aller Welt nach Artefakten durchsiebt.

Auch Sie können an solchen Ausgrabungen teilnehmen.  

Sarah Lorenz

Die wohl öffentlichste Ausgrabung der Welt

Umgeben von Olivenbäumen und kleinen Hecken liegt das „wohl öffentlichste archäologische Projekt der Welt“, wie Professor Dr. Gabriel Barkay es so treffend beschreibt. Innerhalb eines großen, rohrförmigen Zeltes, das teilweise an den Seiten geöffnet ist, reihen sich viele verschiedene Siebe, an denen die unterschiedlichsten Menschen stehen.  Es riecht nach nasser Erde und Wasser. Überall wird gearbeitet: Während einige freiwillige Helfer Eimer voll Erde schleppen, beugen sich andere konzentriert über ein Sieb. Hier und da ertönt ein freudiger Ausruf: Es wurde wieder etwas gefunden.

In einer ruhigen Ecke nehmen Dr. Barkay und Gottfried Bühler, der Reporter der Fernsehserie „Faszination Israel“, Platz. Es herrscht drückende Hitze. Das Gespräch dreht sich um die Funde, die bei der Ausgrabung täglich gemacht werden.

Jüdische Geschichte des Tempelbergs

Was beweisen die Funde in Bezug auf die jüdische Geschichte mit Jerusalem und dem Tempelberg? Dr. Barkay stellt freundlich, aber bestimmt klar, dass es da nichts zu beweisen gibt. „Ich denke niemand muss beweisen, dass Wasser nass ist. Jeder weiß Wasser ist nass. Jeder ist in der Lage zu wissen, was es mit der Geschichte Jerusalems auf sich hat. Es ist doch alles in Geschichtsbüchern nachzulesen. Und deshalb geht es mir nicht darum, etwas zu beweisen oder etwas zu widerlegen.“ Vielmehr gehe es ihm bei dieser Ausgrabung darum, das Verständnis und Wissen über die Vergangenheit des Tempelbergs zu erweitern.

Und dieses Erweitern des Wissens über den Tempelberg ist etwas Besonderes in Israels Geschichte: Denn eigentlich dürfen keine Ausgrabungen auf dem heiligen Berg stattfinden. Obwohl in Jerusalem schon seit 150 Jahren archäologische Ausgrabungen und Nachforschungen stattfinden. Der Tempelberg ist laut Dr. Barkay eine Art „Schwarzes Loch in der archäologischen Geschichte Jerusalems“.

Al-Aksa-Moschee: Illegale Ausgrabung

Doch 1999 wurde dieses „schwarze Loch“ aufgerissen. Bei illegalen Grabungsarbeiten wurde von den Palästinensern, mit Erlaubnis der für den Tempelberg zuständigen islamischen Waqf-Behörde, Erdreich ausgegraben, um Platz für den Haupteingang der Al-Aksa-Moschee zu schaffen. Statt die ohne Rücksicht auf den geschichtlichen Wert ausgegrabene Erde wenigstens an die israelische Behörde zu Forschungszwecken weiterzugeben, wurden sie heimlich im Kidrontal entsorgt. 400 Lkw-Ladungen voll Heiliger Erde wurden als Schutthaufen ausgegeben.  

Diese Tat kam erst 2002 ans Licht: Ein ehemaliger Student Dr. Barkays findet auf dem „Schutthaufen“ zufällig Tonscherben. Zusammen mit einem Freund bringt er sie in Plastiktüten zu seinem Professor. 

Das „Sifting Project“

Professor Dr. Gabriel Barkay. Professor Dr. Gabriel Barkay. Als sich herausstellt, dass es sich um Tonscherben vom Tempelberg handelt, drängen die Studenten Dr. Barkay, ein Projekt zu starten, um die Artefakte von der Erde zu trennen. Schließlich ist es 2004 soweit – das „Sifting Project“ tritt in Aktion. Finanziert wird es ausschließlich über private Spender, wie etwa der „City of David“-Stiftung, gearbeitet wird fast nur mit Freiwilligen aus aller Welt. Und wie hier gearbeitet wird – seit dem ersten Tag werden bei den Ausgrabungen täglich Funde gemacht. Meist sind es Tonscherben, manchmal Münzen und ab und zu sogar Amulette oder Siegel.

Dr.  Barkay führt Gottfried Bühler nun zu einem anderen Teil des Zeltes. Hier ist etwas aufgebaut, das wie ein sehr viel kleinerer Nachbau der Klagemauer aussieht. Das soll es auch sein. Die einzelnen Mauerstücke lassen sich umdrehen und enthüllen die Fundstücke. Dr. Barkay erklärt: „Der Zweck dieser Nachbildung hier ist zu zeigen, was hinter der Mauer verborgen liegt“. Denn im Laufe der Zeit wurde von der Welt vergessen, dass die Klagemauer nicht als solche heilig ist, sondern nur aufgrund dessen, was hinter der Klagemauer liegt, beziehungsweise lag: Der Tempel. Denn die Klagemauer ist zwar der einzige Überrest des Tempelareals, tatsächlich handelt es sich aber „nur“ um eine ehemalige Stützmauer.

Was hinter der Mauer verborgen liegt

Dr. Barkay dreht einen Stein um, hinter dem zerbrochene Tierfiguren zum Vorschein kommen. Er erklärt, dass sie große Anzahlen an Tierfiguren gefunden hätten bei denen es scheint, als wären sie in einer religiösen Reform bewusst zerschlagen worden. Der nächste Stein wird umgedreht, diesmal ist ein Bild zusehen. So könnte der erste Tempel ausgesehen haben – 15 Prozent der bisher datierten Funde stammen aus der Zeit König Davids und des ersten Tempels.

Diese Funde sind auch ein Beweis dafür, dass König David wirklich existierte. Es finden sich ebenfalls Beweise für die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels. Pfeilspitzen, gefeuert von der babylonischen Armee, die im Jahr 586 unter der Herrschaft König Nebukadnezars den ersten Tempel zerstörte, sowie eine große Menge Asche von der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70. Allein über 6.000 Münzen haben sich im Laufe der Ausgrabung angesammelt, von denen die Älteste aus dem vierten Jahrhundert vor Christus stammt.

Der Tempelberg gehört allen

Aber nicht nur Funde jüdischer Geschichte werden hier gemacht. Ein anderer Stein etwa zeigt Funde, die weit hinter die Zeit des ersten Tempels zurückreichen – ägyptische Amulette aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Auch Amulette mit Versen aus dem Koran und türkische Siegel aus dem 18./19. Jahrhundert wurden auf der „Schutthalde“ schon entdeckt. „Der Tempelberg gehört allen“, sagt Dr. Barkay.

Die Funde der Ausgrabung umspannen insgesamt 15.000 Jahre

Selbst mitzuarbeiten ist ganz einfach. Zuerst muss man einen Eimer mit Tempelberg-Erde nehmen und den Inhalt auf ein Sieb schütten. Dann wird der Eimer ausgespült und die Reste auch noch auf das Sieb geleert, damit man wirklich alles erwischt. Nun muss die Erde auf dem Sieb verteilt und mit Wasser abgewaschen werden. Wenn die ganze Erde abgespült ist, wird das Material in sechs Behälter angeordnet und zur Weiterverarbeitung transportiert.

Auch Gottfried Bühler probiert es aus. Und wie schon viele andere vor ihm, hat auch der Reporter Glück: Er findet einige Tonscherben und den Zahn eines grasfressenden Tieres.

Seit dem Beginn der Ausgrabungen 2004 wurden schon über eine halbe Millionen archäologische Funde gemacht. Dabei wurden erst 70 Prozent der Erde durchsiebt.

Zum Abschied fragt Gottfried Bühler, was für Dr. Barkay der wichtigste Fund sei.

Der wichtigste Fund

„Es gibt keinen. Das ist, wie einen Vater zu fragen, welches sein Lieblingskind ist. Das wichtigste und faszinierendste ist die Reaktion der Menschen auf die Funde.“ Es ist wirklich faszinierend, Kinderaugen aufleuchten zu sehen, wenn sie in der Erde etwas wertvolles Gefunden haben. Oder die Ehrfurcht, mit der ein gläubiger Jude die heilige Erde vom Tempelberg in den Händen hält und sie nach Hinweisen auf seine Vorväter durchsucht.

Vielleicht können diese Funde ja dabei helfen, die Verbindung der Juden zum Tempelberg in den Augen der Welt zu beweisen. Denn das es eine Verbindung gibt, das ist eigentlich nicht zu leugnen. 

3 Voraussetzungen für die Teilnahme an Ausgrabungen:

  • 1. Gute Gesundheit

Die Ausgrabungen sind körperlich anstrengend und finden auch bei großer Hitze statt.

  • 2. Eine Krankenversicherung

Bei den Ausgrabungen kann es auch schnell mal zu kleineren oder größeren Verletzungen kommen.

  • 3. Gute Zusammenarbeit

Wer bei Ausgrabungen Hilft, der muss mit anderen Menschen zusammenarbeiten können.

Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anreise, Unterbringung und Verpflegung muss man sich allerdings selbst kümmern.

Interesse? Informationen und Bewerbungen finden Sie hier.