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Blick in die aktuelle ISRAEL Ausgabe

Sesampaste-Politik

Veröffentlicht am 11.12.2020

Die Sesampaste, die den Boykott auslöste.Die Sesampaste, die den Boykott auslöste.In Israel wird früher oder später alles politisch. Sogar eine Sesampaste. Und diese spezielle Sesampaste ist das Produkt von Israels einziger arabisch-israelischen Unternehmerin, die als großzügige Wohltäterin gilt. Und genau das hat Julia Zaher Ärger eingebracht.

Sesampaste passt immer

Zumindest wenn es nach dem Geschmack vieler Israelis geht. Wer bereits einmal in Israel war, kann sich vermutlich an diese Tuben mit Sesampaste erinnern: Auf fast allen Restaurant-Tischen steht sie neben Salz- und Pfefferstreuer.

„Techina“ heißt die Sesampaste. Sei wird aus äthiopischen Sesamsamen hergestellt und entweder direkt als Brotaufstrich genossen (am besten mit Wasser, Zitrone und Salz gemischt) oder als wichtige Zutat für Hummus genutzt.

Produziert wird die Paste in Nazareth, im Unternehmen von Julia Zaher, der einzigen arabisch-israelischen Unternehmerin in Israel.

Die Chefin der Tahini-Marke Al Arz ist überaus erfolgreich. Seit die studierte Lehrerin 2003 die Leitung der Firma nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes übernahm, wurde aus der vorher eher unbedeutenden Techina-Marke Al Arz der größte Produzent für Sesampasten in Israel. Rund ein Fünftel aller im Land verkauften Sesampasten stammen aus ihrer Firma. Die inzwischen zwei Werke der Unternehmerin produzieren 20 bis 25 Tonnen Sesampaste – pro Tag. Al Arz exportiert ihre Spezialitäten in 18 Länder. Julia Zaher gehört heute zu den Top-50-Geschäftsleuten in Israel.

Boykottaufruf gegen die Sesampaste

In ihrem Unternehmen beschäftigt die Geschäftsfrau viele arabische Frauen und setzt sich für ein friedliches Miteinander von Israelis aller Konfessionen ein. Sie gilt als großzügige Wohltäterin für soziale Einrichtungen. „Wir lieben Menschen und akzeptieren alle Religionen, Geschlechter und Hautfarben“, heißt es in einem Statement der Firma.

Weil sie der regionalen LGBT-Gemeinschaft (LGBT ist Englisch und steht für lesbisch, schwul, bisexuell und transgender) eine Spende zur Einrichtung einer Krisenhotline für arabisch-sprechende LGBT-Personen zukommen ließ, riefen muslimisch Geistliche zum Boykott der Sesampaste auf. Wer sich beim Kauf der Tube in arabischen Gegenden Israels erwischen lässt, muss mit Repressalien rechnen. Viele Israelis haben aus Solidarität mit Al Arz nach dem Boykott-Aufruf ihren ohnehin schon hohen Verbrauch an Sesampaste erhöht.

Die Sesampaste kann in Deutschland über den Online-Versandhandel und bei vielen jüdischen-israelischen Shops bezogen werden.