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Prinzessin Alice´ letzte Reise nach Jerusalem

Veröffentlicht am 17.09.2020

Prinzessin Alice von Battenberg.Prinzessin Alice von Battenberg.Prinzessin Alice von Battenberg, die Mutter von Prinz Philip, war eine intelligente Frau, die immer ihren eigenen Weg ging. Ob es darum ging, trotz ihrer Taubheit mehrere Sprachen zu lernen, eine jüdische Familie vor den Nationalsozialisten zu verstecken oder wiederholt aus ihrer Heimat flüchten zu müssen, Prinzessin Alice ließ sich nicht unterkriegen und gab nie auf. Die Ur-Enkelin von Queen Victoria musste viele Schicksalsschläge über sich ergehen lassen. Dennoch verlor sie nie ihre Güte und ihre Freundlichkeit und verbrachte einen Großteil ihres Lebens damit, anderen Menschen zu helfen, auch wenn sie selbst nichts hatte. 

Sie wurde von der Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet.

Biografie der Prinzessin Alice von Battenberg

Schloss Windsor in England. Alice von Battenbergs Geburtsort.Schloss Windsor in England. Alice von Battenbergs Geburtsort.Auf dieses Mädchen wartete eine glänzende Zukunft, ist man sich sicher, als Prinzessin Alice am 25. Februar 1885 in England zur Welt kommt, im königlichen Haushalt von Schloss Windsor. Neben dem Entbindungsbett wacht Queen Victoria höchstpersönlich, die Ur-Großmutter des Kindes. Prinzessin Alice´ Mutter ist Viktoria von Hessen-Darmstadt, verheiratet mit Ludwig von Battenberg.

Doch bald stellt sich heraus, dass etwas nicht stimmt mit Alice von Battenberg. Das Mädchen entwickelt sich langsamer als andere Kinder. Spricht nicht. Schließlich stellt ein Ohrenarzt fest: Prinzessin Alice ist vollständig taub.

Prinzessin Alice ist vollständig taub

Die Gehörlosigkeit wird zur ersten großen Prüfung, der sich Prinzessin Alice in ihrem Leben stellen muss. Es gelingt. Die kluge Prinzessin  lernt, die Worte, die sie nie gehört hat, von den Lippen ihrer Gegenüber abzulesen und selbst zu formen. Nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch, Griechisch und Französisch kann Prinzessin Alice bald sprechen.

Heirat mit Prinz Andreas von Dänemark und Griechenland

Mit 17 Jahren lernt Prinzessin Alice Prinz Andreas von Dänemark und Griechenland kennen. Ein Jahr später heiratet das junge Paar. Sie ziehen zusammen auf ein königliches Gut nahe Athen und Prinzessin Alice beginnt, sich sehr stark sozial zu engagieren. Vier Töchter gehen aus der Ehe hervor.

Die Idylle endet, als der Balkankrieg ausbricht. Prinzessin Alice ist nun Tag und Nacht im Einsatz: Sie organisiert ein Lazarett an der Front und hilft selbst unermüdlich bei der Versorgung der Schwerstverletzten mit. Gleichzeitig kümmert Prinzessin Alice sich um Unterstützung für weitere Krankenhäuser, unter anderem für ein jüdisches Hospital.

Prinzessin Alice im Exil in der Schweiz

1917, nach dem Ende des Balkankriegs, muss Prinzessin Alice mit Mann und Kindern ins Exil in die Schweiz fliehen. Das Heimweh ist groß. 1921 kehrt Prinzessin Alice mit ihrer Familie zurück nach Griechenland. Ein fünftes Kind kommt zur Welt, Nesthäkchen Philip. Ein Jahr später muss die Familie erneut Hals über Kopf aus dem von Prinzessin Alice so geliebten Griechenland fliehen.

In der Zeit von Flucht und Verbannung wird Prinzessin Alice tief religiös. Sie hat Visionen von Christus. 1928 konvertiert sie zur griechisch-orthodoxen Kirche. Ihre Umgebung reagiert mit Unverständnis. Prinzessin Alice´ Glaube wird als übertrieben abgelehnt. Ihr Mann geht auf Distanz.

Die Ablehnung, der Spott, die Erinnerung an das Leid des Krieges und die Vertreibung führen bei Prinzessin Alice zu Schlafstörungen und münden 1930 in einem schweren Nervenzusammenbruch. Ärzte diagnostizieren „religiösen Wahn“, Schizophrenie. Es ist der beginn eines langen Leidenswegs für Prinzessin Alice.

Prinzessin Alice wird gegen ihren Willen eingewiesen

Prinzessin Alice wird gewaltsam in ein Sanatorium eingewiesen. Nesthäkchen Philip ist damals erst acht Jahre alt. Die prominente Patientin landet bei Sigmund Freud. Freud glaubt, dass Prinzessin Alice´ Geisteskrankheit die Folge sexueller Frustration sei. Der Neurologe behandelt die schöne Prinzessin mit starker Röntgenstrahlung, damit sollen die Wechseljahre verfrüht ausgelöst werden. Es ist eine völlig unsinnige und gefährliche Behandlung. Sie hilft Prinzessin Alice nicht, sondern sorgt nur für zusätzliche Probleme und gesundheitliche Schäden.

Inzwischen hat Prinz Andreas sich von Prinzessin Alice und den Kindern getrennt. Er ist nach Monaco abgereist. Dort richtet sich der Prinz neu ein, lebt fortan mit einer Geliebten zusammen, bis er 1944 im Alter von 62 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes stirbt.

Prinzessin Alice flieht aus der Klinik, wird dann jedoch gegen ihren Willen in eine andere Klinik gebracht. Mehrere Jahre lang ist Prinzessin Alice experimenteller Zwangsbehandlung verschiedener „Heilanstalten“ ausgeliefert. Doch die brutalen Methoden helfen nicht. Stattdessen verstärken sich Prinzessin Alice´ psychische Probleme. Sie zieht sich vollständig zurück, rettet sich in eine Phantasiewelt.

Tod ihrer Tochter holt sie zurück

Der Tod ihrer Tochter Cecilia holt Prinzessin Alice schlagartig zurück in die Realität. Die geliebte Tochter kommt 1937 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Mit ihr sterben Prinzessin Alice´ Schwiegersohn und ihre beiden Enkel. Der Schmerz reißt die Mutter gewaltsam heraus aus ihrer Traumwelt – und beendet wohl auch die Visionen. Jedenfalls wird Prinzessin Alice als „vom religiösen Wahn geheilt“ entlassen.

Alice zieht sich nach Griechenland zurück. Sie reist nach Athen und lebt dort anspruchslos in einer beschiedenen Unterkunft.

Prinzessin Alice rettet Juden vor den Nationalsozialisten

Dann beginnt der zweite Weltkrieg. Griechenland wird von deutschen Truppen besetzt. Durch die Besatzung bricht 1941 eine schwere Hungersnot aus. Prinzessin Alice organisiert jetzt Suppenküchen für Kinder, kümmert sich um Waisenhäuser und um Krankenschwester-Besuche in Armenvierteln. Die taube Prinzessin Alice hat außerdem den Mut, sich den übermächtigen Nationalsozialisten in den Weg zu stellen, verhilft Juden zur Flucht. 1943 nimmt Prinzessin Alice eine jüdische Mutter mit fünf Kindern bei sich auf, versteckt sie vor den Nazi-Schergen und teilt ihr weniges Essen mit den heimlichen Gästen. Als ein misstrauischer Suchtrupp eines Tages Prinzessin Alice´ Heim durchkämmen will, spielt sie die harmlose Geistesgestörte.

Prinzessin Alice spricht nicht mehr von Visionen. Doch der Gaube an den Gott der Bibel steht weiterhin im Mittelpunkt ihres Lebens. Die Geschichte der Schwestern Maria und Martha aus den Evangelien berührt Prinzessin Alice besonders – die eine voll Liebe und Sehnsucht nach Gott, die andere voll Eifer zum Dienst. Prinzessin Alice will beides zugleich sein. Ihre Tante Ella ist ihr großes Vorbild. Die Lieblingstante hatte ihr Leben Gott geweiht und in Russland als Nonne viel Gutes gewirkt. Sie wurde während der Aufstände 1921 ermordet und als Märtyrerin später von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen. Am liebsten würde auch Prinzessin Alice auf jeden irdischen Reichtum verzichten, Kleider und Schmuck verschenken und in ein Kloster ziehen.

Hochzeit in London

1947 heiratet ihr Sohn Philip die britische Thronfolgerin Elisabeth. Natürlich ist Prinzessin Alice zur Hochzeit in London eingeladen. Der Prunk, den sie dort erlebt, gib wohl den letzten Ausschlag für eine radikale Entscheidung: Kurz darauf legt Prinzessin Alice von Battenberg ihren adligen Titel ab und bemüht sich in Griechenland um die Gründung des Nonnenordens „Maria und Martha“.

Prinzessin Alice´ Reise nach Jerusalem

 1949 erfüllt sich Alice einen großen Traum: Sie reist nach Jerusalem. Dort besucht sie auch das Grab ihrer Tante Ella, der Märtyrerin. Und trägt fortan nur noch einfache graue Nonnenkutten. Sie verzichtet auf jeden Besitz. Als Alice es wagt, 1952 sogar zur Krönungsfeier von Königin Elisabeth in ihrer schlichten Nonnentracht zu erscheinen, trifft sie erneut auf Ablehnung und Unverständnis. „Jetzt spinnt sie wieder“, raunt man sich zu.

1967 kommt es zum Militärputsch in Griechenland. Alice muss das Land erneut verlassen – diesmal für immer. Sie ist inzwischen 83 Jahre alt und völlig mittellos, dazu als geisteskrank verschrien. Alice weiß nach der Flucht nicht, wo sie unterkommen soll. Wer will schon einen Dauergast im Haus haben?

Prinzessin Alice´ Tod 1969

Buckingham Palace. Hier lebte Alice von Battenberg bis zu ihrem Tod 1969.Buckingham Palace. Hier lebte Alice von Battenberg bis zu ihrem Tod 1969.Da erfährt Königin Elisabeth II von der Not ihrer Schwiegermutter – und lädt Alice nach Großbritannien ein. Alice wird ehrenvoll empfangen und darf bis zu ihrem Tod 1969 im Buckingham-Palast wohnen. Am Ende ihres Lebens besitzt die Mutter von Prinz Philip, ehemals Prinzessin von Griechenland und Dänemark, nicht mehr als ihre Nonnenkleidung und drei Morgenmäntel. Ihre letzter Wille ist es, in Jerusalem begraben zu werden. Dieser Wunsch wird ihre erfüllt. Das Grab der mutigen Alice befindet sich auf dem Ölberg in der Maria-Magdalena-Kirche, direkt neben dem Grab ihrer Tante Ella.

Prinzessin Alice: „Gerechte unter den Völkern“

 Als Lebensretterin der jüdischen Mutter und ihrer fünf Kinder wurde Prinzessin Alice posthum von der Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.  

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