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Horatio und Anna Spafford: Ihr harter Weg zur American Colony

Veröffentlicht am 10.07.2020

Horatio und Anna Spafford gründeten die America Colony in Jerusalem. Die Mitglieder waren bei den Bewohnern Jerusalems beliebt. (Foto: gpo, Matson Eric)Horatio und Anna Spafford gründeten die America Colony in Jerusalem. Die Mitglieder waren bei den Bewohnern Jerusalems beliebt. (Foto: gpo, Matson Eric)"Gott lieben im Leid", könnte die Biographie der Familie Spafford lauten. Horatio und Anna Spafford verloren ihre Immobilien, ihr Einkommen, ihre Freude - und auch ihre Kinder. Trotzdem hielten sie an ihrer Liebe zum Gott Israels fest. Anna und Horatio Spafford gründeten in Jerusalem die American Colony für soziale Dienste.

Der erfolgreiche Anwalt Horatio Spafford

Horatio Spafford war als Anwalt erfolgreich und vermögend.Horatio Spafford war als Anwalt erfolgreich und vermögend.Chicago im 19. Jahrhundert. Horatio Gates Spafford hat es als angesehener Anwalt zu einem beachtlichen Vermögen gebracht. Einen großen Teil des Geldes investiert der tief gläubige Christ und Familienvater in Immobilien, den anderen Teil in Wertpapiere.

Am 8. Oktober 1871 bricht in einer Scheune im Westen Chicagos ein Feuer aus. Nachbarn versuchen, den Brand zu löschen. Doch bis die Feuerwehr eintrifft, stehen bereits zwei Straßenzüge vollständig in Brand, starke Winde treiben das Feuer weiter Richtung Stadtmitte. Die Feuerwehr kann nichts dagegen ausrichten, zumal es an Wasser mangelt, weil der Sommer lang, heiß und extrem trocken war.

Großbrand als erster Schicksalsschlag

Innerhalb weniger Stunden verwandelt sich fast ganz Chicago in ein riesiges Flammenmeer. Zwei Tage lang brennt die Stadt. Das Inferno geht als „großer Brand von Chicago“ in die Geschichte ein. 100.000 Menschen verlieren ihr Zuhause. Es gibt etliche Tote. Das Immobilien-Vermögen von Horatio Gates Spafford verbrennt während dieser zwei Tage zu Asche.

Es ist ein schwerer Schlag. Doch die Anwaltsfamilie ist mit dem Leben davongekommen – und man besitzt ja noch die Wertpapiere.

Horatio und Anna Spafford: Hiob als Vorbild 

Anna Spafford nahm sich Hiob zum Vorbild.Anna Spafford nahm sich Hiob zum Vorbild.Die Familie nimmt den Schicksalsschlag hin. Die Eheleute Horatio und Anna Spafford beten wie Hiob: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen. Gelobt sei der Name des Herrn“.

Doch wie bei Hiob ist der wirtschaftliche Schaden erst der Anfang einer langen Leidensgeschichte.

Die Geschäfte gehen fortan schlecht. Die Wirtschaftslage ist angespannt. Nur zwei Jahre später kommt es zur großen Rezession. Die Aktien fallen ins Bodenlose. Horatio und Anna Spafford nehmen die Krise zum Anlass, ihr Leben noch einmal neu ganz Gott anzuvertrauen. Vielleicht will Gott sie ja an anderer Stelle einsetzen?

Gottvertrauen und Neuanfang in Europa 

Das Ehepaar Spafford ist bereit, dem Ruf zu folgen und beschließt, gemeinsam mit ihren vier Töchtern nach Europa zu reisen. Dort wollen sie ihrem Freund, dem Evangelisten Dwight Lyman Moody, bei einer Evangelisationstour helfen.

Sie buchen sechs Tickets für die Atlantiküberquerung auf der „Ville de Havre“. Doch kurz vor der Abfahrt taucht ein geschäftliches Problem auf, das die Abreise von Horatio Spafford verhindert.

Man beschließt deshalb, sich vorübergehend zu trennen. Anna Spafford soll gemeinsam mit den Töchtern, 2, 7, 9 und 12 Jahre alt, vorausfahren.

Am 15. November 1873, einem Sonnabend, legt die „Ville du Havre“ in New York ab für die Überfahrt nach Le Havre. An Bord befinden sich 172 Besatzungsmitglieder und 141 Passagiere.

Schiffsunglück auf dem Atlantik: "Saved alone"

Eine Woche später, am 22. November 1873, um 2.00 Uhr nachts, ereignet sich ein eigentlich undenkbares Unglück: Die „Ville du Havre“ kollidiert mitten auf dem offenen Atlantik mit einem anderen Schiff, dem Segelschiff „Loch Earn“. Das Passagierboot zerbricht in der Mitte und versinkt innerhalb weniger Minuten in den eiskalten Fluten.

  • Überlebenden berichten später von gnadenlosen Kämpfen um die wenigen Rettungsboote und Schwimmwesten.
  • Von den 313 Menschen an Bord können nur 87 gerettet werden.

Anna Spafford überlebt. Aber alle vier Töchter sind ertrunken. Das Telegramm, das Anna Spafford nach Chicago schickt, besteht nur aus zwei schmerzerfüllten Worten: „Saved alone“ - als einzige gerettet.

"It is well, it is well, with my soul" 

Der Schmerz ist unermesslich. Doch die verwaisten Eltern halten trotzdem fest an ihrer Liebe zu Gott. Mitten im größten Leid um seine Töchter schreibt Horatio Spafford ein trotziges Lobpreislied: „It is well, it is well, with my soul“. Das Lied findet sich bis heute in vielen amerikanischen Gesangsbüchern.

Horatio Spafford reist seiner Frau hinterher. Sie halten fest an ihrem ursprünglichen Plan und engagieren sich gemeinsam für die Evangelisation.

Doch das Leid hört nicht auf. Ein Sohn, der den Spaffords noch geboren wird, stirbt im Alter von vier Jahren an Scharlach.

Freunde der Familie Spafford reagieren hartherzig

Wie bei Hiob melden sich nun die Freunde zu Wort, die Glaubensgeschwister ihrer presbyterianischen Kirchengemeinde. Und wie bei Hiob ist es nicht Trost und Mit-Leiden, das Horatio und Anna Spafford von den anderen Gläubigen erfahren.

Stattdessen gibt es Vorwürfe und den Rat, nach „verborgenen Sünden“ zu suchen. Die Schicksalsschläge werden als Strafe Gottes bezeichnet.

Selbst der Evangelist, dem das Ehepaar so viele Jahre treu gedient hat, ist keine Hilfe – denn er steckt nun selbst in einer tiefen Glaubenskrise.

Alleingelassen.

Doch sogar jetzt lassen sich Horatio und Anna Spafford nicht von ihrem Glauben an einen liebenden Gott abbringen. Statt sich abzuwenden, suchen sie seine Nähe noch mehr als zuvor. Zwei weitere Töchter werden dem Paar geboren, Bertha und Grace.

In Anna und Horatio Spafford wächst Liebe zu Israel 

Bei ihrer Suche nach Gott wird dem Ehepaar immer mehr bewusst: Ihr Gott ist der Gott Israels. Sie erkennen immer mehr die jüdische Identität Jesu.

Für sie gibt es keinen Zweifel daran, dass er der Messias ist, wie von Jesaja in Kapitel 53 beschrieben: „Wir aber glaubten ihn behaftet, von Gott geschlagen und erniedrigt. Er aber ward durchbohrt ob unserer Frevel, zermalmt um unsere Sünden, die Züchtigung für unser Wohl lag auf ihm, durch seine Striemen ward uns Heilung.“ Mit diesem Messias können sie sich im Leiden verbunden fühlen. Daran halten sie fest.

Anna und Horatio Spafford gründen die "Overcomers" 

Mitglieder der von Anna und Horatio Spafford gegründeten American Colony. (Foto: gpo, Matson Eric)Mitglieder der von Anna und Horatio Spafford gegründeten American Colony. (Foto: gpo, Matson Eric)Sie gründen eine eigene christliche Gemeinde, die als „Overcomers“ bekannt wird, und wandern 1881 aus ins Heilige Land. In Jerusalem investierten sie den Rest ihres Vermögens, um den Aufbau der American Colony zu unterstützen. Hier soll eine echte biblisch-christliche Gemeinschaft entstehen. Die Mitglieder der America Colony machen es sich zur Aufgabe, in Not geratenen Einwohnern Jerusalems zu helfen, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit und ohne jedes missionarische Ziel. Die Zeit der Evangelisation ist für Anna und Horatio Spafford vorüber.

Die Gemeinde wächst, schwedische Christen schließen sich an, um die karitative Arbeit zu unterstützen. Die christliche Gemeinde muss sich vergrößern und erwirbt 1895 ein palastartiges Anwesen nahe der Altstadt, das zuvor einem reichen türkischen Pascha und seinen vier Ehefrauen als Residenz diente.  

Die American Colony hilft Armen und Waisen

Die Mitglieder der American Colony gründen Suppenküchen, versorgen Waisenkinder, pflegen Kranke und Verletzte. Vor allem während des ersten Weltkriegs erweist sich die American Colony als Segen für die Bewohner Jerusalems. Für ihren selbstlosen Einsatz genießen „die Amerikaner“ hohes Ansehen – bei Juden und Arabern gleichermaßen.

Horatio Spafford erlebt den Aufbau und die Entwicklung der American Colony nur wenige Jahre. Er erkrankt im Heiligen Land an Malaria – und erliegt schließlich der Krankheit.

Barn Ustinov übernimmt die American Colony 

1902 ist Barn Ustinov, der Großvater des Schauspielers Sir Peter Ustinov, in Jerusalem auf der Suche nach einer Unterkunft für Besucher aus Europa und Amerika. Die türkischen Gasthäuser der damaligen Zeit empfindet der Baron als inakzeptabel. Bei seiner Suche stößt er auf die American Colony und übernimmt den Komplex.

Doch auch die Arbeit der Spaffords wird mit einem Kinderkrankenhaus und einem Waisenhaus fortgesetzt – bis zum heutigen Tag. 

American Colony wird Luxushotel 

Blick in das heutige Luxushotel American Colony in Jerusalem. (Foto: Mikaela Borstow) Blick in das heutige Luxushotel American Colony in Jerusalem. (Foto: Mikaela Borstow) Die American Colony wird zur Unterkunft für wohlhabende westliche Reisende und Pilger, die einen höheren Standard erwarten, als er bei den bisherigen Herbergen in Jerusalem geboten werden kann. 

Heute gilt die American Colony als eines der besten Luxushotels der Welt und wird von bekannten Journalisten, hochrangigen Offizieren der Vereinten Nationen, Diplomaten und Prominenz aus der ganzen Welt genutzt.

  • Die Lebensgeschichte von Horatio und Anna Spafford, die Geschichte der American Colony in Jerusalem und eine Übersetzung des Gedichts "It is well, it is well, with my soul" von Horatio Spafford erschienen in der ISRAEL Reisemagazin Ausgabe April 2020 - hier können Sie das Print-Magazin nachbestellen.